07.08.2010 - 25.09.2010
Mar Vicente
rittergallery, Klagenfurt
Die rittergallery in Klagenfurt zeigt die erste Einzelausstellung der aus Spanien stammenden jungen Künstlerin Mar Vicente in Österreich. Die Künstlerin lebt seit einigen Jahren in Kärnten. Die Ausstellung läuft bis zum 25. September 2010 und wird auch nochmal zur Langen Nacht der Museen am 2. Oktober geöffnet. Die Öffnungszeiten der Galerie sind während des Sommers variabel, daher wird um Terminvereinbarung gebeten.
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Tel. + 43.(0)463.590 490.
"Die konventionelle Vorstellung des Malens präsentiert sich durch die Leinwand mit einem rechteckigen Rahmen, die Bildhauerei braucht einen Sockel, die Architektur beansprucht die Exklusivität des Raumes für sich ... Das künstlerische Objekt aber passt sich dem Raum an, der es umgibt. Es wird Teil des Raumes, wo es keine Grenzen gibt und die Form der Präsentation nicht unbedingt traditionelle Wege gehen muss." (Mar Vicente)
Ungewohnt, irritierend, geheimnisvoll, schön. Mit flüchtigem Blick, geschaut auf ein Kunstwerk von Mar Vicente, könnte man glauben, man stehe vor einem Werk der Minimal Art. Doch wenn auch Donald Judds Feststellung von 1965, Minimalismus sei weder Malerei noch Skulptur, auch für Vicentes Werk stimmen könnte, wird das völlige Gegenteil sichtbar, wenn Judd Ordnung und Struktur, in denen Materie durch die Idee erfüllt ist, ablehnt. Denn die mit “Idee” aufgeladene Materie ist das, was das Werk Vicentes so einmalig macht. “Farbe und Licht sind nicht als Malerei zu verstehen”, postuliert die Künstlerin, die ihre Kunst als permanentes Experiment sieht. Was sind nun die Kriterien, wenn wir nicht nur vom 2dimensionalen Tafelbild und nicht von der 3dimensionalen Skulptur oder Architektur sprechen? Wesentlich ist ihr der “Raum”, in mehrfacher Bedeutung, physisch wie immateriell.
Dieser Raum kann bei Vicente Bildraum sein, er ist Raum für die jeweilige reinbunte Lokalfarbe und deren Reflexion mit Licht und Schatten auf die Umgebung. Vicentes diesbezügliche Experimente haben etwas mit den impressionistischen Erkenntnissen eines Monets zu tun. So etwa, wenn die jeweilige Lokalfarbe als Reflexion, nun als “Erscheinungsfarbe” auf die umliegenden weißen Flächen abstrahlt.
Möglich wird dies, weil Vicente die reinbunten Farbflächen im rechten Winkel zur Wand (oder Boden) dreht und mit der Oberfläche, der Farbe und deren Reflexion, dem Licht (und Schatten), dem Volumen bzw. der Dimension experimentiert und daraus Bildkörper oder (Raum)Installationen entwickelt.
In jener Zeit, als sie als Kunststudentin in Vigo (Spanien) ihr eigentliches künstlerisches Projekt begann, war ihre erste große Referenz den Romantikern gewidmet. C.D. Friedrich oder Turner z.B., deren unendliche Landschaften sie wertschätzte. Später kamen die Auseinandersetzungen mit Künstlern wie Mark Rothko oder Dan Flavin und anderen hinzu.
Ein wesentlicher Aspekt im Werk von Mar Vicente ist, daß sie den Betrachter in Bewegung bringt. Sie spricht von mindestens drei Ansichten eines Werkes.
Der Effekt des Lichtes, die Verschiedenartigkeit, ob Sonne oder bedeckter Himmel, direktes oder indirektes Licht, Kunstlicht, warm oder kalt, oder wenn der Betrachter selbst einen Schatten auf das Werk wirft, verändern die chromatische Perzeption des Werks und erregen die forschende Neugierde der Künstlerin. Ernsthaftigkeit, ein Sich-Verlieren im Werkprozeß zeichnet ihre Arbeiten aus. Die Werke haben etwas Kostbares an sich, es ist eine Qualität, deren Wahrnehmung sich auf den Betrachter überträgt.




