Kunstwerk Mai 2009

Kleinmöbel

Gerold Tusch
Gerold Tusch, Ohne Titel, 2009, "Kleinmöbel"

Der Garten als Hortus deliciarum als ein Ort der Wonnen und Lustbarkeiten wurde vor  allem seit dem Barock mit allerlei Zierart versehen. Nach Erik Orsennas poetischer Erzählung war André Le Nôtre als Gärtner von Versailles ein glücklicher Mensch, der die Freude des Königs an der kultivierten und durchgestylten Natur befriedigte. Gerold Tusch macht sich diese Ziergegenstände und Pavillons der barocken Gartenkunst zu eigen und besetzt sie mit seinen keramischen Objekten, wie der Installation „Hortus deliciarum“, die er für den Pavillon in Schloss Molsberg gestaltete.

Sie ist nun Teil der Ausstellung  „Luster, Vasen und andere Kleinmöbel“ im Haus Winkler/Jerabek in Himmelberg, in der Gerold Tusch jedoch vor allem Arbeiten zeigt, die  2008 während seines dreimonatigen Aufenthaltes im European Ceramic Work Centre/Den Bosch entstanden sind. Das renommierte Keramikzentrum bietet jährlich einer Vielzahl von internationalen KünstlerInnen die Möglichkeit große skulpturale Arbeiten mit dem Material Keramik zu entwickeln. Das Gerold Tusch nach Vasen und Voluten und Ornamenten nun auch Möbel zum Gegenstand seiner Untersuchungen macht, erscheint logisch. Stellen doch Wandkonsolen ebenso rein funktionslose Möbel dar, die ähnliche wie die Gartenvasen die reine Lust am Dekor befriedigen. Gerold Tusch übersteigert die vorhandene Formen, wie in der flaschengrünen Pflanzenkonsole „Le coffre du Dick“, aus deren ovalem Körper sich kräftige, pralle Knospen drängen. Getragen wird das Objekt von zwei geschwungenen Beinen, die ihm eine skurrile Wesenhaftigkeit verleihen. Es tritt dem Betrachter als ein vermeintliches Möbel in einer seltsamer Nutzlosigkeit gegenüber. „Mir gefallen Gegenstände, die keine Funktion mehr haben und im eigentlichen Sinne wieder auf ihre formale Qualität verweisen. Die Form dominiert über der Funktion und beginnt ein Eigenleben zu entwickeln.“ Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind Gegenstände aus dem Bereich der angewandten Kunst, vor allem Ausstattungsgegenstände aus Palais und Gärten, die so wenig an ihre Funktion gebunden waren, „dass sie sich oft in formalen Eskapaden emanzipierten und nur noch eine Alibifunktion erfüllten. Dies überzeichne ich noch mit meiner Formensprache im Wechselspiel zwischen reiner Lust am Material  und Anspielungen an erotische Formen und der Sinnlichkeit der Oberfläche“. Bei Gerold Tusch werden die Objekte wieder zur autonomen Skulptur, zum Objekt im Spannungsfeld zwischen kunsthistorischem Zitat, künstlerischer Übersetzung und grotesker Übersteigerung. (Silvie Aigner)











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Ausstellung mit diesem Werk:
GEROLD TUSCH - Haus Winkler-Jerabek
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